Ergebnisse
Erste Pilotlösungen in der IMPULS-Region und im gesamten VBB-Gebiet zeigten bereits die beispielhafte Umsetzung einiger neuer Angebote sowie auch die Übertragbarkeit der Konzepte, beispielsweise der RufBus im Amtsbereich Gartz (Landkreis Uckermark), der Theaterbus zu den Uckermärkischen Bühnen Schwedt/O. (Landkreise Uckermark und Barnim), der Ruf-Bus als Ferienangebot im Altkreis Gransee (Landkreis Oberhavel) oder der RufBus für die Fläming-Skate im Landkreis Teltow-Fläming.

Mit Beginn der Projekt-Demonstrationsphase im Sommer 2003 ergänzen nun in ausgewählten Testgebieten RufBus-Angebote, Shuttleverkehre sowie Eventverkehre als flexible Bedienungsformen den ÖPNV.
Mobilitätsangebote
Zum 03.07.2003 wurden in vier Testgebieten RufBus-Angebote mit integrierter Technik gestartet (vgl. Abb. 3: IMPULS 2005 - RufBusse), die RufBusse Angermünde und Gerswalde (Landkreis Uckermark), der RufBus Barnim (Landkreis Barnim) und der RufBus Gransee (Landkreis Oberhavel).
RufBusse sind ein zusätzliches Angebot im öffentlichen Nahverkehr und können von jedermann zum üblichen VBB-Tarif genutzt werden. Je nach Angebot wird ein Komfortzuschlag von 80 Cent erhoben.

Die verschiedensten Mobilitätsanlässe, Berufsverkehr, Einkaufsverkehr wie Freizeitverkehr unterschiedlicher Zielgruppen, lassen sich nur schwer in einem klassischen
Angebot gleichberechtigt berücksichtigen. Somit müssen sich flächendeckende und zielgruppenorientierte Angebote zu einem Gesamtpaket für ländliche Regionen sinnvoll ergänzen. Erste Ergebnisse liegen bereits vor: Im Landkreis Oberhavel führt die OVG erfolgreich Shuttleverkehre zu kulturellen Einrichtungen, Linienverkehr zum Bauernmarkt Schmachtenhagen sowie spezielle Eventverkehre durch. Positive Beispiele im Landkreis Uckermark sind der Theaterbus Schwedt/O., die Einführung des EventBusses in Kooperation mit dem Freizeitbad "Aquari-UM" in Schwedt/0., das Mittelalterspektakel in Prenzlau, sowie im Landkreis Barnim, vom Bahnhof Eberwalde nach Lichterfelde und zurück, die RufBus-Linie 864/910 in den Abendstunden.
Neu: Ab 01.07.2004 in der Uckermark
Die RufBusse Angermünde, Gartz und Gerswalde ergänzen das Bahn- und Busnetz im Landkreis Uckermark. Sie sind als dauerhafter Bestandteil des gesamten Angebotes im VBB konzipiert. Um auf Dauer tragfähige Verkehrsangebote in der Region einzuführen, werden die RufBusse Angermünde und Gerswalde in Anlehnung an die Erfordernisse des bundesdeutschen Rechtsrahmens (PBefG §42) und die Nachfrage ab 01. Juli 2004 von Montag bis Freitag in der Zeit von 17:30 bis ca. 22:00 angeboten, an den Wochenenden und Feiertagen von 8-22:00 Uhr. Der Rufbus Gartz verkehrt an Wochenenden und Feiertagen von 8:00 bis 22:00 Uhr. Der RufBus ist ein bedarfsorientiertes Verkehrsangebot. Zu erkennen ist der RufBus am R. Der Kunde bestellt den RufBus beim jeweiligen Verkehrsunternehmen telefonisch unter An-gabe des Namens, der Telefonnummer sowie des Abfahrts- und Zielortes. Die Voranmelde-frist beträgt in der Regel 60 min. Seit Juli 2004 kann der Fahrgast einige Angebote auch über www.VBBonline.de buchen.

Es gilt der allgemeine VBB-Tarif. Für die RufBus-Angebote wird zusätzlich ein Komfortzuschlag von 80 Cent pro Fahrt und Fahrgast erhoben.
Neue Mobilitätsangebote in der IMPULS-Region
Abb. 3: Neue Mobilitätsangebote in der IMPULS-Region [Quelle: VBB, 2004]
Bürgerbus Gransee
Zur Verbesserung der Erreichbarkeit von Gransee und einiger umliegender Gemeinden ist die Einrichtung eines Bürgerbusses vorgesehen. Vor allem während der Schulzeit sind diese Orte nur selten angebunden und könnten von einem Bürgerbusangebot sehr profitieren. Die Trägerschaft wird durch den neuzugründenden Bürgerbusverein übernommen. Die Einrichtung des ersten Bürgerbusses in Ostdeutsch-
land stellt alle Beteiligten vor die Herausforderung, den spezifischen Rahmenbedingungen in dieser Region gerecht zu werden. Das Vorhaben wird aktiv von der Oberhavel-Holding, der Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH sowie vom Amt Gransee und der Stadt Gransee unterstützt.
Der Start ist zum Frühjahr 2005 geplant.
Der Rechtsrahmen für die neuen flexiblen Angebote
Die RufBusangebote wurden im Juli 2003 mit einer einstweiligen Erlaubnis gestartet. Eine flächenhafte Bedienung, wie sie zur Zeit bis Juni 2004 mit einer einstweiligen Erlaubnis vom LBVS (Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen in Brandenburg) genehmigt wurde, kann aus formalen Gründen derzeit nicht in den Dauerbetrieb überführt werden. Das Genehmigungsverfahren sieht ein dauerhaftes Konzept in Form von Linienkorridoren vor. Anträge auf Genehmigungen wurden beim LBVS von den Verkehrsunternehmen gestellt. Die erteilten Konzessionen nach PBefG §42 für je drei Linien im Rufbusgebiet Angermünde sowie Gerswalde gelten ab Juli 2004.

Einen wesentlichen Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktor der flexiblen Angebote stellen die ökonomischen Randbedingungen im ÖPNV dar. Daher wurde die derzeitige Finanzierungs- und Förderstruktur im Land Brandenburg aufgezeigt und ausgehend von Problemen, die im bisherigen Projektverlauf auftraten, Anforderungen an eine Novellierung der Fördermöglichkeiten für den ÖPNV aus Projektsicht definiert.
Neue Dienstleistungen
Mobilitätsberatung und -information
Damit die flexiblen ebenso wie traditionellen Mobilitätsangebote auch vom Kunden gezielt und effektiv genutzt werden können, ist eine Beratung der Kunden und Dienstleister in der Region notwendig. Hierfür wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens Einrichtungen bei den Verkehrsunternehmen, z.B. das Verkehrsbüro in der Uckermark entwickelt und eingeführt. Es richtet sich primär an Dienstleister und Institutionen. Anhand der räumlichen, administrativen, rechtlichen, technischen und betrieblichen Rahmenbedingungen wurde eine praxistaugliche Dienstleistungsstrategie entwickelt, die unter Berücksichtigung der Angebots- und Nachfrage-
potenziale ein erweitertes und optimiertes Mobilitäts-
angebot darstellt. Kernelement dieser Dienstleistungs-
strategie ist es, Dienstleister der Region - als Multiplikatoren zu gewinnen und aktiv einzubinden.
Erweiterung von VBB-fahrinfo
Der Disponent, aber auch der Kunde, kann sich in VBB-fahrinfo nicht mehr nur über die klassischen ÖPNV-Angebote informieren, sondern auch über die neuen flexiblen RufBus-Angebote. Der Kunde ohne Internet-Zugang erhält diese Informationen per Telefon vom Disponenten oder vom VBB. Den Disponenten steht zudem eine spezielle Buchungs- und Dispositionssoftware zur Verfügung. Die Verkehrsunternehmen als zukünftige Mobilitätsdienstleister verfügen über diese neue Dispositions-, Kommunikations- und Angebots-
möglichkeiten. Seit Juli 2004 ist es dem Kunden möglich, ausgewählte Fahrten auch online von zu Hause aus zu reservieren.
www.BrandenburgerMarktplatz.de
Für die Projektregion bietet der im Projekt IMPULS 2005 umgesetzte Virtuelle Marktplatz unter dem Namen "Brandenburger Marktplatz" eine neue Informations- und Vertriebsplattform von besonderer Art. Die Besonderheit dabei: mit dem "Kombiangebot" lassen sich Dienst-
leistungen und Warenerwerb mit den Mobilitäts-
informationen kombinieren! Die Innovation des Virtuellen Marktplatzes gegenüber bereits bestehenden Internetplattformen ist deshalb die Verknüpfung mit
VBB-fahrinfo. Seit Juli 2004 ist diese Plattform für
Anbieter und Kunden online zu nutzen.
Park-and-Ride Informationen im Internet
Für die Verkehrsmittelwahl spielen Informationen über Einrichtungen und Übergangsstellen zwischen Verkehrsträgern, wie bspw. dynamische P+R Parkinformationen eine wichtige Rolle. Deshalb wurde im Rahmen des Forschungsprojektes IMPULS 2005 ein Verfahren entwickelt, mit dem zu Brandenburger P+R Plätzen im Internet dynamisch informiert werden kann, ob genügend freie Plätze vorhanden sind, bzw. ob die Belegung schon kritisch oder gar voll-ständig ist. Es handelt sich hier um eine prognostische Aufbereitung von Erfahrungswerten. Hierzu wurden Web Cams exemplarisch eingebunden. Die Park-and-Ride Informationen können unter www.parkinfo.com und www.VBBonline.de abgerufen werden.
Fahrzeugtechnik und -kommunikation
Schnittstelle zwischen der Disposition von Kundenwünschen und Mobilitätsangeboten, der Fahrzeugortung und Anschlusssicherung sowie dem Fahrscheinverkauf ist ein Fahrzeug-Terminal im handelsüblichen Pocket-PC-Format (PDA) mit entsprechender Software. Der Fahrscheindrucker wird über eine Bluetooth-Schnittstelle vom PDA angesteuert. Ein Fahrzeug-Kommunikations-Server sorgt dafür, dass alle Nachrichten sicher am Ziel ankommen, auch wenn das Fahrzeug über Mobilfunk nicht erreichbar ist.
Der Fahrgast bucht seine Bedarfsfahrt bei den
Verkehrsunternehmen, erhält und bezahlt im Fahrzeug den automatisch gedruckten Fahrausweis. Erlösdaten und Daten über verkaufte Fahrausweise zu verwalten und periodisch an die Abrechnungssysteme der Verkehrsunternehmen weiterzugeben, obliegt dem Ticketing-Server.

Dazu wurde für die Fahrzeugausstattung unter Berücksichtigung der technischen Anforderungen, der Verfügbarkeiten und der finanziellen Mittel eine optimale Systemkonfiguration gefunden.
Resümee und Ausblick
Die RufBusse verzeichnen bisher eine positive Resonanz bei der Bevölkerung in der Projektregion, weisen regional sehr unterschiedliche Nachfrageverhalten auf. Die Ergebnisse einer Kundenbefragung bei der OVG und PVG unterstreichen bisherige Ergebnisse aus Befragun-gen vor Ort und weiteren Kundenkontakten zur Akzeptanz und Nutzung der RufBusse. Sie zeigen mögliches Potential auf, wo Weiterentwicklungen sinnvoll sind.

Wichtig ist es, daran anzuknüpfen, die positiven Ergebnisse auszubauen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der RufBusse dauerhaft zu sichern.

Ein gut funktionierendes Verkehrssystem macht den Lebensraum für die einheimische Bevölkerung wieder attraktiver, ebenso aber auch für Tourismusanbieter und andere Wirtschaftsunternehmen am Standort.
Eine optimale Verkehrsanbindung wirkt dem Abwan-
derungstrend in den ländlichen Regionen entgegen.

Das reibungsfreie Zusammenspiel aller beschriebenen verkehrlichen Angebote sowie betrieblichen und technischen Systeme spielen ebenso eine wichtige Rolle wie die Dienstleistungsstrategien und eine gute Kooperation aller Beteiligten.

Die Einbindung von Entscheidungsträgern ist notwendig, um die bestehenden Rahmenbedingungen auf die veränderten Mobilitätsanforderungen anzupassen.

Die Übertragbarkeit der Ergebnisse und des integrierten Mobilitätsangebotes auf andere Regionen unterstreicht den Erfolg des Projektes.
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